• Daniela

Camping in Polen mit Van

Polen, das zweite Land unserer Europareise, hat uns mehr als nur einmal vom Hocker gehauen und nachhaltig beeindruckt. Von der polnischen Ostsee über die Masuren bis ins Gebirge, drei Wochen waren wir mit dem Van in Polen unterwegs und verraten euch in diesem Beitrag unsere Route, Tipps und Highlights des Landes. Am Ende des Artikels haben wir euch außerdem unsere Kosten für drei Wochen Polen zusammengefasst.




Erfahrungen und Allgemeines


Mautkosten in Polen

In Polen gibt es keine Vignette, das Mautsystem funktioniert hier ähnlich wie zB in Italien. Man zieht bei der Auffahrt eine Mautkarte, die an Mautstationen beim Verlassen der Autobahn abgerechnet wird. Unsere gesamte Route war mautfrei, wobei das eher Zufall war und wir das im Vorfeld nicht wussten. Ab 3,5 Tonnen fallen jedoch nochmal andere Gebühren an.


Währung

Die Landeswährung in Polen ist der Złoty (PLN). 1 Zloty entspricht derzeit ca. 0,22 Euro (Stand: 09/21). In touristischen Städten wie Krakau oder Warschau kann man zwar mit Euro zahlen, wir empfehlen aber aufgrund des schlechteren Wechselkurses immer in Landeswährung zu bezahlen. Beim Abheben und auch beim Zahlen mit zB Kreditkarte als Währung immer den PLN und nicht die Umrechnung in Euro auswählen, sonst fallen schnell ziemlich hohe Gebühren an.


Wildcampen in Polen

Wusstet ihr, dass Wildcampen in Polen offiziell verboten ist? Seit Mai wurden jedoch durch die polnische Regierung hunderte Waldgebiete (vor allem in den Masuren) zum wild stehen freigegeben. Offiziell darf man mit einem Camper allerdings nur für 2 Nächte an derselben Stelle bleiben. Was wir toll fanden, dass es oftmals ausgewiesene Feuerstellen für Lagerfeuer gab und außerdem fast überall Dixie-Toiletten und Mülleimer standen. Wie immer gilt auch hier: Keinerlei Spuren oder Müll in der Natur hinterlassen. An der Ostsee standen wir meist auf kleinen Campingplätzen, da es hier speziell in Meernähe kaum möglich war wild zu campen. Unsere Stellplätze fanden wir in Polen ausschließlich über die App park4night.


Unsere Route


Camping an der Polnischen Ostsee

Endlich wieder Sand an den Füßen und das Geräusch von Meerrauschen. Über Usedom ging es mit der Fähre rüber nach Polen an die Ostsee. Nachdem wir die erste Nacht in einem neuen Land immer gerne auf einen Campingplatz fahren um erstmal „anzukommen“, entschieden wir uns für den Platz „Morza Camping“. Ein schöneres Plätzchen hätten wir uns als Startschuss für unser Polen Abenteuer nicht vorstellen können. Für umgerechnet 15 Euro konnten wir hier die Waschmaschine nutzen, ausgiebig Duschen und natürlich unsere Wasservorräte auffüllen. Der Platz lag zwar nicht direkt am Meer aber ein kurzer Spaziergang durch einen Pinienwald und wir standen mit den Füßen im Sand der polnischen Ostsee. Insgesamt fanden wir es an der Ostsee eher schwierig freizustehen und wir hatten meist Plätze etwas entfernt vom Meer, was wir aber auch völlig ok fanden.




Slowinski Nationalpark und die polnische Sahara

Im Nationalpark Slowinski befindet sich die größte Wanderdüne Mitteleuropas. Jahr für Jahr wandern die Dünen zwischen zwei und zehn Metern in Richtung Osten. Von kleinen Spaziergängen bis hin zu großen Wanderungen ist also alles möglich. Das Highlight des Nationalparks ist die polnische Sahara, besonders die 42 Meter hohe Lonsker Düne (Ląska Góra). In Leba gibt es einen großen Parkplatz und von dort aus sind es bis zu den Dünen 7 km zu Fuß, immer am Strand entlang oder alternativ durch den Wald. Es gibt auch eine Elektrobahn die einen direkt bis zur Düne bringt oder wohl sogar eine Fähre, wobei wir hierzu keine näheren Infos haben. Am Fuße der Dünen angekommen geht es kurz steil bergauf und schon wartet ein atemberaubend schönes Panorama, auf der einen Seite der türkis schimmernde Lebasee, auf der anderen Seite die tiefblaue Ostsee und zwischendrin nichts als riesige Berge von Sand. Wer in der Gegend ist sollte in jedem Fall vorbeischauen, früh da sein lohnt sich wie fast immer! Der Nationalpark kostet übrigens umgerechnet 1,50 Euro Eintritt.


Camping an der Polnischen Ostsee I Nationalpark Slowinski I Endless_Footsteps

Sehenswürdigkeiten von Danzig erkunden

Nachdem wir beide bereits vor einigen Jahren in Danzig waren, haben wir diesmal nur einen kurzen Abstecher gemacht, sind etwas durch die schöne Altstadt geschlendert und haben uns ein bisschen durch die Kaffees treiben lassen. Besonders schön ist dort die Langgasse mit den wunderschönen alten Kaufmannshäusern. Wenn ihr auf der Suche nach einem leckeren veganen Restaurant seid, können wir euch das „manna68“ empfehlen und den Cafe fanden wir besonders lecker im „Cafe Len“. Auch hier findet man über die park4night App bewachte Parkplätze, die gar nicht sehr teuer sind.



Die Masurische Seenplatte

Die fast 10.000 Quadratkilometer große Masurische Seenplatte besteht aus über 3000 Seen, Flüssen und riesigen Wäldern. Die Region befindet sich im Nordosten Polens im früheren Ostpreusen und war für uns eines der Highlights des Landes. Die Strecke dorthin haben wir allerdings etwas unterschätzt, für eine Entfernung von 50 km kann man hier nämlich durchaus bis zu 2 Stunden brauchen und das nicht nur mit unserem Oldie! Deshalb legten wir noch einen Zwischenstopp auf einem Bauernhof ein. Der Besitzer ist ursprünglich Gärtner (was man dem Platz auch ansieht), war so unglaublich nett und hat sogar richtig gut Deutsch gesprochen, weshalb wir eine halbe Ewigkeit mit ihm übers Leben philosophiert haben. Genau wegen solchen Begegnungen lieben wir das Reisen so.


Wie bereits oben im Text erwähnt, kann man in den Masuren ganz offiziell frei stehen, was es natürlich sehr besonders macht. Was gibt es Schöneres als direkt am See zu stehen und früh zum Sonnenaufgang den Kaffee am Steg zu genießen, während sich die Nebelschwaden langsam übers Wasser bewegen. Obwohl wir noch zur Ferienzeit dort waren und die Masuren mittlerweile kein Geheimtipp mehr sind, standen wir an fast allen Seen komplett alleine. Ab und an hat sich ein Angler zu uns gesellt oder ein Boot angelegt um zu übernachten. Die 2 schönsten Seen an denen wir standen waren der Jezioro Święcajty und Piłakno. Aber es gibt wirklich unzählige Möglichkeiten.



Ebenfalls interessant in der Region (zumindest für Patrick) waren die Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg. Im Mauerwald in Masuren stehen nämlich ganze 30 unzerstörte Bunker, die man besichtigen kann.


Unsere Warschau Highlights

Bei der Stadt hat es zwei Anläufe gebraucht bis wir uns anfreunden konnten. Die Fahrt nach Warschau rein war laut Aussage von Patrick die wohl anstrengendste und schlimmste die er jemals mit dem Van hatte. Es war einfach nur unglaublich chaotisch, die Ampeln sind zum Teil ausgefallen und Jeder ist kreuz und quer gefahren. Immerhin fanden wir einen sehr zentralen & bewachten Parkplatz, bei dem wir für umgerechnet 10 Euro auch über Nacht stehen konnten. Am ersten Tag sind wir ziemlich planlos durch die Stadt gelaufen, es war viel zu voll und wir konnten uns nicht wirklich begeistern und lagen somit tatsächlich um sieben Uhr fix und foxi im Bett:)


Am nächsten Morgen, nach mehr als 12 Stunden Schlaf, sah die Welt schon wieder ganz anders aus und Warschau bekam eine zweite Chance. Mit guter Laune findet man auch von ganz alleine wieder schöne Orte. Unsre Highlights waren:


Warschauer Bibliothek

Altstadt von Warschau

Spaziergang an der Weichsel

Café SAM Powisle

Café STOR

Falafel & Szarma Veg4seasons



Der Süden Polens

Auf dem Weg in Richtung Tatra Gebirge fanden wir mal wieder durch Zufall über park4night eine ostpreusische Villa, bei der man kostenlos stehen konnte. Als wir vor dem beeindruckenden Tor standen, konnten wir unseren Augen kaum trauen so schön war es. Wir riefen den Besitzer an und seine Frau lies uns aufs Gelände, verschwand aber direkt wieder. Wenig später kam ihr Mann und unterhielt sich eine ganze Zeit mit uns, meinte wir dürfen uns auf dem Gelände wie zu Hause fühlen und wir bekamen sogar noch Äpfel von ihm. Ein Wasseranschluss war sogar auch vorhanden und all das kostenlos, er meinte er mag es einfach seine Fläche zur Verfügung zu stellen und Menschen um sich zu haben und sich mit ihnen auszutauschen. Ein wirklich unvergessliches Erlebnis für uns und es hat uns vor allem mal wieder gezeigt wie gastfreundlich und herzlich die Polen sind.


Błędów Wüste

Ihr fragt euch jetzt bestimmt: In Polen gibt es eine Wüste? Ging uns ganz genauso. Die Błędów-Wüste ist ein neun Kilometer langes und 3–4 Kilometer breites, sandiges Gebiet bei Błędów. Wie so oft fanden wir dieses schöne Fleckchen durch Zufall während der Stellplatzsuche. Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht mal, dass es in Polen überhaupt eine Wüste gibt. Entstanden ist diese beim Schmelzen der Gletscher vor tausenden von Jahren. Ursprünglich war sie 150 km² groß, ist in den vergangenen Jahren aber enorm geschrumpft. Für uns war es jedenfalls ein ziemliches Highlight, mit dem Van im Sand zu stehen und vom Bett aus den wunderschönen Sonnenaufgang zu erleben.



Wandern im Tatra Gebirge

Unser letztes Ziel in Polen war das Tatra Gebirge, auf dem Weg dorthin legten wir noch einen Stop am Jezioro Mucharskie ein. Auch wenn der See nicht unbedingt zum Baden geeignet ist, ist es dort wunderschön zum Campen und Sonnenuntergang kucken.



Die Tatra ist ein Teil der Karpatenbergkette in Osteuropa und bildet die natürliche Grenze zwischen der Slowakei und Polen. Die Hohe Tatra ist außerdem das kleinste Hochgebirge der Welt. Mit dem 2499 Meter hohen Rysy erhebt sich hier der höchste Berg Polens. Der bekannteste Ort im Tatra Gebirge ist Zakopane, von hier starten auch viele Wanderungen. Wir sind allerdings nur kurz durchgefahren und waren etwas erschlagen von den vielen Menschen. Dadurch, dass in der Region die einzigen Berge des Landes sind und diese verhältnismäßig auf kleiner Fläche, wollen dort natürlich bei schönem Wetter gefühlt alle Einheimischen Wandern gehen. Entsprechend war es unmöglich dort einen Parkplatz zu finden. Deshalb sind wir ein Stück außerhalb zur Pension "Bukowina Tatrzanska" gefahren, hier kann man für umgerechnet ca. 8 Euro auf dem Parkplatz übernachten und das mit traumhafter Aussicht auf die Berge.

Wanderung im Tal der 5 Seen

Eine der beliebtesten Wanderungen im Tatra Gebirge ist die Wanderung durch das Tal der 5 Seen. Einer dieser Seen ist der Morskie Oko, diesen besuchen am Tag wohl tatsächlich mehrere Tausend Menschen. Dabei handelt es sich gar nicht mal wirklich um eine "Wanderung" dorthin sondern eher einen ca. 2 stündigen Spaziergang. Wem das zu viel ist, der kann sich mit Pferdekutschen fahren lassen, was wir im übrigen richtig schlimm fanden. Auch wenn der See wirklich wunderschön sein muss, schreckte uns das etwas ab und wir entschieden uns diesen weg zu lassen.

Startpunkt ist aber sowohl für den Morskie Oko See als auch für die restlichen Seen der Eingang zum Nationalpark „Palenica Białczańska“. Die Parkplätze dort muss man wohl online reservieren und sind speziell für Vans richtig teuer. Ab Zakopane fahren alternativ im minutentankt Busse oder aber Taxis, wofür wir uns entschieden. Der Preis war letztendlich ähnlich wie der Parkplatz aber es war für uns die entspanntere Variante. Eintritt für den Tatra Nationalpark sind nochmal 6 LEU. Die ersten Kilometer geht es entlang einer Asphaltstraße in Richtung Morskie Oko See. Nach rund 30 Minuten biegt man rechts ab auf den grünen Track, erst durch den Wald, vorbei an einem Wasserfall und dann steil bergauf inkl. kraxeln bis man die ersten beiden wunderschönen Bergseen (Wielki Staw & Przedni Staw) zu Gesicht bekommt. Wir waren an dieser Stelle schon gut platt, genossen eine Brotzeit am See und sind dann zurückgelaufen. Wer noch zu den andern Seen will muss ein paar Stunden mehr in Kauf nehmen und kommt am Ende automatisch beim berühmten Morskie Oko raus. Die Wanderung ist wirklich traumhaft, wenn auch gut anstrengend, aber auch hier darf man sich speziell bei gutem Wetter auf viele weitere Wanderer einstellen.




Reisekosten für 3 Wochen Polen

Stellplätze

110€

Spritkosten (Benzin)

307€

Restaurant/Café

85€

Lebensmittel

170€

Allgemeines (Parken, Sightseeing)

30€

Gesamt

702€


Fazit unserer Polen Reise

Polen hat uns mehr als einmal vom Hocker gehauen, es gibt noch relativ wenig Tourismus (mit Ausnahme der Städte) was das Reisen sehr authentisch macht. Außerdem sind die Menschen unheimlich nett und hilfsbereit und die Natur mit ihren unglaublich vielen Seen, den Nationalparks und mehr als 300 km Strand ist wirklich atemberaubend schön. Gleichzeitig hat man die Möglichkeit moderne Städte wie Danzig, Krakau oder Warschau zu besuchen. Ihr merkt schon, wir können eine Reise nach Polen ganz klar empfehlen.


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