• Daniela

Bulgarien Roadtrip mit dem Camper

Ihr plant eine Reise nach Bulgarien? Wie wäre es mit einem Roadtrip durchs westliche Balkan-Gebirge in Kombination mit einem Besuch der Stadt Sofia? Aber vorab erst mal Hand aufs Herz, wer denkt bei Bulgarien auch als erstes an partywütige Touristen am Goldstrand? Wir müssen gestehen, bevor wir uns genauer mit dem Land befasst haben ging es uns ähnlich aber wir wurden eines Besseren belehrt. Während unserem kurzen Roadtrip durch den Westen Bulgariens fanden wir tolle Wanderungen im Pirin-Gebirge, beeindruckende Sandpyramiden und waren baden in heißen Quellen. Wenn ihr mal eine andere Perspektive von Bulgarien sehen wollt, dann ist dieser Reiseblog genau der Richtige.


Die wichtigsten Infos für eine Reise nach Bulgarien


Einreise nach Bulgarien mit Campervan

Zum Zeitpunkt als wir von Rumänien über die Grenze nach Bulgarien gefahren sind, standen nur ein paar Grenzübergänge zur Verfügung. Nachdem sich das zum aktuellen Zeitpunkt ständig ändern kann, empfehlen wir sich vor der Einreise immer nochmal auf der Seite des Auswärtigen Amts zu informieren. Für uns ging es nordwestlich von Bulgarien, in Widin, über die Grenze. Beim Grenzübergang hat lediglich eine kurze Fahrzeugpapier- und Passkontrolle stattgefunden und wir durften weiterfahren. Übrigens, die grüne Versichertenkarte wird zur Einreise in Bulgarien nicht benötigt.


Vignette für Bulgarien

Für Bulgarien ist eine elektronische Vignette nötig, welche vor Ort oder über BGTOLL erhältlich ist. Für 30 Tage haben wir umgerechnet ca. 15 Euro gezahlt. Bezahlt wird per Kreditkarte, online Überweisung oder aber in bar vor Ort. Fahrzeuge über 3,5 t (inkl. Wohnmobile) zahlen die Maut streckenabhängig über einen Pass oder ein sogenanntes Sendegerät.


Geld und Währung

Gezahlt wird in Bulgarien mit der Währung Lew, der nochmal in 100 Stotinki unterteilt wird. Ein Euro beträgt derzeit 1,96 Lew (Stand 11/21). In Touristengebieten wird teilweise auch Euro akzeptiert, Rückgeld gibt es aber fast ausschließlich in Lew. Auch die Zahlung mit Kreditkarten ist in Bulgarien geläufig, in abgelegeneren Regionen sollte man aber immer genügend Bargeld mit sich führen. Wie immer würden wir empfehlen, vor Ort mit einer Kreditkarte Geld abzuheben und dabei auf die Automatengebühren zu achten. Diese können teils enorm schwanken.


Wildcampen und Freistehen in Bulgarien

Offiziell und gesetzlich ist Wildcampen in Bulgarien verboten ist. In den meisten Fällen wird es jedoch von den Behörden und auch Anwohnern geduldet. In den großen Städten würden wir empfehlen auf einen Campingplatz auszuweichen, dass macht einen Städtetripp auch einfach etwas entspannter. Und wie eigentlich immer gilt es, Naturschutzgebiete zu vermeiden und den Platz sauber zu verlassen. Übrigens ist es in Bulgarien verboten außerhalb von öffentlichen Stellen ein Lagerfeuer zu machen, hier können ziemlich hohe Strafen drohen.


Unsere Route durch Bulgariens Westen



Sofia - Bulgariens Hauptstadt

Unser erstes Ziel war die Hauptstadt Bulgariens, Sofia. Nordwestlich der Stadt gibt es für 10 Euro pro Nacht einen kleinen, rustikalen Campingplatz. Der Besitzer Ivan ist wahnsinnig nett, hilft wo er kann und gab uns einige Tipps rund um die Stadt. Knapp 300 Meter vom Campingplatz gibt es eine Metrostation, von dort ist man in wenigen Minuten (7 Stationen) direkt in der Innenstadt. Die einfache Fahrt kostet umgerechnet 80 Cent. Tankstelle und ein gut sortierter Lidl ist quasi auch ums Eck. Wir waren für zwei Nächte dort und teilen mit euch unsere Highlights von Sofia.


Cafe Rainbow Factory

Ein super hippes Café in dem wir den leckersten Flat White seit langer Zeit getrunken haben. Die Auswahl an veganen Produkten war auch richtig gut.


Restaurant Satsanga

In diesem indischen Restaurant haben wir ein so unglaublich leckeres veganes/vegetarisches Buffet gegessen (auch wenn es nicht ganz günstig war), noch dazu ist der Laden richtig toll eingerichtet.


Banya Bashi Mosque

Die Banya Bashi Mosque ist eine der ältesten Moscheen Europas. Im sogenannten "Quadrat der Toleranz" stehen hier eine jüdische Synagoge, eine katholische und eine orthodoxe Kirche und die Moschee.


Alexander Nevsky Cathedral

Die orthodoxe Kathedrale ist eines der Wahrzeichen der Stadt, ist gerade einmal um die 110 Jahre alt und zählt zu den Top 10 Sehenswürdigkeiten von Sofia. Die Materialien der Kirche stammen aus den unterschiedlichsten Ländern. Das Metall der Tore z. B. kommt aus Berlin und der Onyx für die Säulen aus Brasilien. Die Kathedrale ist schon von außen so unglaublich imposant, dass wir unbedingt auch einen Blick nach innen werfen wollten. Solltet ihr vor Ort sein können wir euch das wirklich nur empfehlen.


Museum der Saint Sofia Church

Unter der St. Sophia Church befindet sich ein archäologisches Museum. Für ein paar Euro kann man das Labyrinth von alten Gräbern und steinernen Gängen und die wunderschönen Mosaikböden besichtigen. Die Kirche ist eine der ältesten Kirchenbauten in Europa und die zweitälteste Kirche der Stadt.


Ausgrabungen aus der Römerzeit

Als 2010 - 2012 in Sofia die U-Bahn gebaut wurde, sind an vielen Stellen Überreste aus der Römerzeit ans Licht gekommen, die jetzt frei zugänglich sind.


Central Sofia Market Hall

Mitten im Zentrum der Stadt befindet sich die Markthalle. Wir waren zweimal da, nachdem am ersten Tag gegen Abend kaum Stände offen hatten. Am zweiten Tag am Mittag war leider auch nicht viel mehr los. Wir wissen nicht, ob hier evtl. am Wochenende mehr geboten ist aber waren etwas enttäuscht von der Auswahl an Essen. Das Gebäude ist trotzdem super schön und sehenswert.


Rila Gebirge

Im Südwesten Bulgariens befindet das höchste Gebirge der Balkanhalbinsel, das Rila Gebirge. Aber was macht das Rila Gebirge so besonders? Das ist vorallem die spektakuläre Wanderung der Sieben Seen. Im Rila Gebirge gibt es nämlich mehr als 150 Gletscherseen, von denen sieben ganz besonders schön und deshalb auch so bekannt sind. Einer Legende nach wurden diese von den Tränen einer Riesin erschaffen. Deshalb wird der kleinste und gleichzeitig höchste See (2535 h), „die Träne“ genannt. Von hier aus hat man eine atemberaubende Aussicht auf die Gebirgskette. So sehr hatten wir uns vorgenommen diese Wanderung zu machen, leider ist sie sprichwörtlich ins Wasser gefallen, noch ein Grund mehr, dass wir irgendwann wieder kommen müssen.


Tanzbärenpark Belitsa

Der 2000 gegründete Tanzbärenpark Belitsa liegt im Rila-Gebirge ungefähr 180 km südlich der Stadt Sofia. Der ca. 120.000 m² große Park bietet misshandelten Tanzbären aus Bulgarien, Serbien und Albanien aber auch anderen Bären ein zu Hause. Hier haben sie genügend Platz um sich in künstlich angelegten Höhlen Zurückzuziehen und Winterschlaf zu halten, sich Auszuruhen oder zu Schwimmen. Obwohl die grausame Praxis zum Zeitpunkt der Gründung bereits gesetzlich verboten war, gab es wohl in Bulgarien und Serbien immer noch mehr als 20 Bären die gezwungen wurden für Menschen zu tanzen. Die Vorstellung ist einfach nur grausam und es ist so toll und wichtig, dass es Menschen gibt die sich für die Tiere einsetzen.


Die Anfahrt zum Park war nicht ganz ohne, was vor allem auch daran lag, dass es richtig heftig geregnet hatte. Entsprechend waren wir dort die Einzigen, es wurde uns aber trotzdem eine Führung angeboten, die jedoch mit 20 Minuten leider etwas kurz ausfiel. Der Eintritt kostet aktuell umgerechnet 6 Euro pro Person. Zum jetzigen Zeitpunkt leben im Park 19 Bären, wovon wir nur einen zu Gesicht bekamen weil die Anderen teils schon im Winterschlaf waren oder aber Unterschlupf vor dem Regen suchten. Wir hatten den Eindruck, dass dieser eine Bär extra in der Nähe vom Zaun mit Toastbrot gefüttert wurde, sodass wir ihn etwas länger beobachten können. Einerseits ein bisschen schade, da wir natürlich gerne mehr gesehen hätten aber andererseits auch schön zu wissen, dass die Bären so viele Rückzugsmöglichkeiten haben. Wie bereits erwähnt, hätten wir uns ein paar mehr Infos gewünscht, die wir im Nachhinein alle selbst recherchiert haben aber es war trotzdem interessant und im Sommer sicher noch sehenswerter.


Bär im Tanzbärenpark Belitsa in Bulgarien | Braunbären Europa | Tierschutz | Waisenhaus für Bären | Erfahrungen endless_footsteps

Thermal Camping Velingrad

Aufgrund dem bescheidenen Wetter kam uns der Campingplatz mit Thermalbereich auf dem Weg in Richtung Süden ziemlich gelegen. Mit 40 Euro ist der Platz absolut kein Schnäppchen, weshalb wir auch nur eine Nacht blieben aber die Vorstellung von Sauna und beheiztem Außenpool war bei der Kälte einfach zu verlockend. Bei genauerem Hinschauen war zwar alles ein wenig in die Jahre gekommen, hat uns aber nicht weiter gestört. Wir haben sowohl die Sauna als auch den Pool und die heiße Dusche danach in vollen Zügen genossen.

Pirin Gebirge

Das Pirin Gebirge ist vermutlich das Schönste in ganz Bulgarien. Ganze 118 Gletscherseen, schroffe Bergkämme und schneebedeckte Gipfel machen die Gegend zu einem wahren Paradies für Outdoor Liebhaber. Zu gerne hätten wir den höchsten Berg Bulgariens, den 2914 m hohen Vihren, erklommen. Leider waren die Wetteraussichten, ähnlich wie schon ein paar Tage zuvor im Rila-Gebirge, alles andere als gut. Auch wenn diese Wanderung für uns deshalb leider nicht möglich war, sind wir ein Stück in die Berge reingefahren (Ausgangspunkt für viele Wanderungen ist übrigens die Stadt Bansko) und haben auf einem schönen Platz mitten in den Bergen mit dem Van übernachtet. Am nächsten Morgen waren wir leicht eingeflöckelt, hatten aber trotzdem einen schönen Blick auf die schneebedeckten Gipfel und Patrick hat sogar eine kurze Wanderung zu einem kleinen Gletschersee gemacht. Das hat uns auf jedenfall Lust auf mehr gemacht und wir werden wohl auch an diesen Ort nochmal irgendwann zurückkommen müssen.

Die Sandpyramiden von Melnik

Die Pyramiden von Melnik, auch genannt Rozhen Monastery, befinden sich im Pirin Gebirge hinter der kleinsten Stadt Bulgariens auf einer Fläche von etwa 13.500 Hektar. Entstanden sind diese bizarren Formationen durch eine außergewöhnlich starke Erosion, die in dieser Region vorherrscht. Die Pyramiden stehen seit 1960 unter Naturschutz und bestehen aus einer Mischung aus Erde, Lehm, Ton und Sandstein. Im Rila Gebirge gibt es ein ähnliches Phänomen, die Pyramiden dort müssen allerdings nicht ganz so spektakulär sein. Über die park4night App findet man sogar direkt vor Ort einen Parkplatz an dem man übernachten kann und von dem aus man eine kurze Wanderung zu den Pyramiden machen kann. Am ersten Tag lag alles komplett im Nebel und wir konnten nur erahnen was sich hinter der Nebelwand verbirgt, am zweiten Tag das gleiche Spiel und als wir gerade am zusammen packen waren, hat sich langsam der Nebel gelichtet und die wunderschönen Felsformationen kamen zum Vorschein. Wir konnten unseren Augen kaum trauen und sind direkt losmarschiert um uns das Ganze von der Nähe aus anzuschauen. Dieser Ort ist wirklich was ganz Besonderes und sollte in jede Route eingeplant werden.



Heiße Quellen von Rupite

Unseren letzten Abend in Bulgarien verbrachten wir in den heißen Quellen von Rupite, die sich ganz im Süden, nah an der Grenze zu Griechenland, befinden. Dieser Ort war für uns so verrückt schön, frei zugänglich, kostenlos und noch dazu kann man dort direkt mit dem Van übernachten. Die Becken sind teilweise bis zu 75 Grad heiß und befinden sich alle am Fuße des erloschenen Vulkans Kozhuh-Planina. Die Quellen sind noch ein richtiger Geheimtipp und fast nur unter Einheimischen bekannt. Deshalb teilten wir uns die Becken nur mit einigen Bulgaren die hier ihren Freitag Abend verbrachten. In Rupite hat außerdem die berühmteste Seherin Bulgariens, Baba Wanga, gelebt. Sie wurde als lebende Heilige verehrt und vor ihrem Tod 1996 hat sie prophezeit "Corona wird über uns kommen". Damals wusste natürlich keiner was gemeint war, vor allem bedeutet Corona in Bulgarien so viel wie Krone und man dachte das Land wird in Zukunft unter russischer Herrschafft stehen. Das aber nur so nebenbei. Jedenfalls gehört dieser Ort bis heute zu unseren absoluten Highlights von Bulgarien.


Reisekosten für 1 Woche Bulgarien