VW LT 28 - FINN 

 Der Traum und die Suche nach unserem

Abenteuermobil

Im November 2017 starteten wir unsere sechs monatige Reise. Unser erstes Ziel war Neuseeland, wo wir nach langer Suche unseren geliebten Camper Bongo fanden. Wir waren beide zuvor noch nie Campen aber nach drei Monaten Vanlife war uns klar, dass es nicht das letzte Mal war. Schon auf unserer weiteren Reise durch Asien hat uns das Thema nicht mehr losgelassen und wir haben immer wieder nach Campern gesucht. Als wir Mitte April zurück kamen konnten wir es kaum erwarten uns einen eigenen Van zu kaufen und ihn zu unserem Abenteuermobil umzubauen.

Aufgrund unserer Erfahrungen in Neuseeland gab es zwei Kriterien, die unser Van in jedem Fall erfüllen sollte: Wir wollen aufrecht im Van stehen können und er darf ruhig ein paar Jahre auf dem Buckel haben, sodass wir so viele Reparaturen wie möglich selbst erledigen können, was bei den neueren Modellen oftmals nicht funktioniert.

 

Wir sind zu unzähligen Händlern gefahren und haben wochenlang mit Recherche verbracht. Unsere Favoriten waren der T3 Bus von VW oder ein alter Mercedes Bus. Allerdings waren wir entweder nicht schnell genug, die Autos waren viel zu teuer oder einfach nicht für das geeignet was wir vorhatten.

Als wir die Suche vorerst schon fast auf Eis gelegt hatten, fand Daniela auf eBay Kleinanzeigen einen fast 40 Jahre alten VW LT 28 zum Wahnsinnspreis. Wir haben sofort angerufen und waren tatsächlich die ersten Interessenten! Einen Haken musste die Sache aber haben, da wir gleiche Modelle in schlechterem Zustand für das Dreifache gesehen hatten. 

Kurze Zeit später hat Patrick sich mit einem Autokenner das gute Stück angeschaut und konnte tatsächlich nichts finden, was ihn am Kaufen gehindert hätte. Im Gegenteil, er war neu lackiert, hatte keinen Rost, nur 70.000 km und es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Noch dazu war er komplett leer und wir konnten direkt mit dem Ausbau starten. Das Fahrzeug wurde für wenige Jahre als Geldtransporter der Sparkasse verwendet, stand die letzten Jahre aber im Trockenen und war stillgelegt. Dadurch hat es keinerlei Rostflecken und ist super gepflegt.

 

Der Umbau zu unserem Abenteuermobil konnte also endlich beginnen. Let´s start!

Unser Van im Detail

DIE BASICS

- Baujahr 1980

- Erstanmeldung 1986

- Volkswagen LT 28 Kastenwagen

- Länge 4,90 m x 2,04 m x 2,60 m 

- Zulässiges Gesamtgewicht 2,8 Tonnen

- Leergewicht 1,87 Tonnen

- 66 KW I 90 PS

- Höchstgeschwindigkeit 125 km/h

- 6 Zylinder I 2,4 Liter Benzinmotor

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ERSTE SCHRITTE IN RICHTUNG DIY CAMPERVAN

SCHALLSCHUTZ

Da ein klassischer Kastenwagen ohne Schallschutz daherkommt, brauchten wir etwas um dem entgegenzuwirken. Wir haben uns für die Alubutyl* Variante entschieden. Diese selbstklebende Dämm-Folie lässt sich leicht verarbeiten und klebt gut. Durch großzügiges Aufbringen zeigt die Folie schnell die erhoffte Wirkung und der Ton ist deutlich gedämpft. Insgesamt haben wir 2 Rollen (4 qm) verarbeitet, wobei wir alles sehr nach Gefühl gemacht haben. Damit die Folie besser hält, sind wir nach dem Aufkleben nochmal mit einer kleinen Rolle drüber.

 

Ein Nachteil ist leider die Menge an Plastikabfall, die bei der Folie anfällt. Falls ihr eine Alternative habt, gerne melden und wir ergänzen sie. Außerdem sollte man beachten, dass man die richtige Temperatur benötigt um die Folie anzubringen. Aufkleben im Winter bei Eiszeit oder im Sommer bei 40 C sollte man vermeiden. Wir können abschließend fast nur Positives von dem Anbieter Reckhorn berichten und den Schallschutz somit weiterempfehlen. 

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ISOLIERUNG I BODENSCHUTZ

Im Bereich Isolierung (Kälte- und Wärmedämmung) kommt man vermutlich nicht am sehr beliebten Armaflex* vorbei. Armaflex* hat viele Vorteile, es ist selbstklebend, hitzebeständig und hat eine hervorragende Dämmfunktion. Durch die selbstklebende Eigenschaft ist es super leicht anzubringen nachdem es auf die richtige Größe geschnitten wurde und kann außerdem gut in Ritzen und Ecken gepresst werden. Zu empfehlen ist damit alle metallischen Bereiche zu Dämmen, da Metall Kälte und auch Hitze extrem annimmt und transportiert. Wir haben auf die 19 mm Armaflex* Variante zurückgegriffen und verwendeten zusätzlich eine kleinere 3 mm starke Rolle, mit der wir super schmale Strecken (wie z. B. Stahlträger) dämmen konnten. Wie bei Klebern üblich, steigt die Klebekraft bei hohen Temperaturen und es wird schwieriger diesen zu verarbeiten. Bei uns hatte es 25 Grad und das Armaflex lies sich teilweise schwer schneiden. Für eine einfache Verarbeitung ist eine Temperatur von 10 - 15 Grad perfekt.

 

Nachdem die Wände (inkl. Radkästen) und auch die Decke gedämmt waren, ging es mit dem Boden weiter. Um eine ordentliche Grundlage zu erhalten und um alle Rückstände zu entfernen, reinigten wir den kompletten Boden mit Reinigungsbenzin. Als nächstes trugen wir eine Schicht Rostschutz auf. Dafür verwendeten wir einen Alleskönner aus dem Baumarkt. Sobald der Boden wieder trocken war, ging es mit dem "Bodengerüst" weiter. Da wir es vermeiden wollten, Löcher ins Metall zu bohren, hatten wir die Idee den Alleskönner Sikaflex* zu verwenden. Gesagt, getan, die Latten wurden kurzerhand auf den Boden geklebt und wir waren mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Wir verbauten bewusst 20 mm hohe Latten, weil im Anschluss mit 19 mm Armaflex gedämmt wurde. Viele verlegen in diesem Schritt zusätzlich noch ein Rohrsystem, um im Nachgang Kabel für die Elektrik zu ziehen. Das haben wir allerdings nicht gemacht. 

 

Anschließend brachten wir auch am Boden zwischen den Latten Armaflex* an. Um eindringende Feuchtigkeit am Boden zu verhindern klebten wir die Übergänge mit einem sogenannten Klebeband für Dampfsperren ab (z. B. Meisterling*). Somit war auch das Dämmen des Bodens abgeschlossen. 

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AUSBAU HIGH-TOP

Nachdem auch unser Deckenbereich mit Alubutyl und Armaflex ​beklebt war, konnten wir mit der Holz-Verkleidung des High-Tops beginnen. Als Unterkonstruktion bauten wir uns ein Gerüst mit klassischen 18 mm dicken Latten aus dem Baumarkt. Da unser High-Top aus Fieberglas besteht und es somit keine Möglichkeit gibt, dort direkt etwas zu befestigen, mussten wir das Latten-Gerüst direkt an den vorhandenen Stahlträgern montieren. Als Verkleidung entschieden wir uns für 24 mm dicke Naturholz-Latten, die wir im Anschluss weiß strichen (2 x). Um einheitliche Abstände zwischen den Holzlatten zu bekommen, brachten wir zwischen diesen Fliesenabstands-Halter an. Hört sich alles logisch und easy an, in der Praxis hat es uns aber einen kompletten Tag und unzählige Nerven gekostet.

Beim Kauf der Latten ist es wichtig darauf zu achten, dass diese gerade (war bei uns oftmals nicht der Fall) und möglichst leicht sind. Dadurch wird sichergestellt, dass der Schwerpunkt nicht an der Decke liegt. Außerdem ist es hilfreich von innen nach außen zu arbeiten, sodass man eine einheitliche Flucht erhält.

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BODENPLATTE I WANDVERKLEIDUNG

So langsam nahm alles Gestalt an und wir konnten uns im nächsten Schritt der Bodenplatte widmen. Wir sahen zuvor bei vielen Ausbauten, dass hierfür Siebdruckplatten* verwendet werden. Diese sind sehr robust und leicht zu verarbeiten. Da wir Gewicht einsparen und so wenig Stehhöhe wie möglich verlieren wollten, entschieden wir uns jedoch für OSB-Platten* aus dem Baumarkt und ließen uns drei Stück direkt auf Maß zuschneiden. Für die Aussparungen an den Radkästen und am Tankzulauf verwendeten wir Schablonen aus Kartonage und mit Hilfe einer Stichsäge konnten wir die angezeichneten Markierungen aus den Platten sägen. Befestigt wurden diese mit Schrauben auf unserem zuvor gebauten Holzrahmen. Wichtig ist es darauf zu achten, dass der Rahmen direkt die Kanten der OSB-Platte trifft, da dort durch unser Körpergewicht am meisten Druck ausgeübt wird. Das ist uns leider erst im Nachhinein aufgefallen und wir hören jetzt immer beim Übergang von einer zur anderen Platte ein Knarzen.

 

Weiter ging es mit der Wandverkleidung. Auch hierfür wollten wir das Gewicht so gering wie möglich halten. Spanplatten sind perfekt geeignet, noch dazu sind sie günstig und man kann sie im Baumarkt auf Wunschmaß zuschneiden lassen. Mit speziellen Schrauben* befestigten wir die Platten direkt am Metall des Vans und strichen sie später noch schwarz um sie unauffälliger werden zu lassen.

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DIY KÜCHE

Am Liebsten hätten wir uns einen fertigen Küchenblock gekauft, aufgrund der Höhe war dies aber nicht möglich. Die Küche sollte nur leicht über dem Fenster abschließen und Standardküchen waren meist knapp 10 cm zu hoch. Stattdessen wieder der Weg zum Baumarkt, um 24 mm starke Holzlatten zu kaufen. Ziel war es möglichst viel Stauraum zu haben und diesen sinnvoll zu nutzen. Auf der rechten Seite planten wir das Waschbecken mit den beiden Tanks für Ab- und Frischwasser. In die Mitte sollte der Kühlschrank und ein Fach für Besteck. Links blieb somit Platz für Dinge wie Töpfe, Pfannen & Teller. 

 

Unzählige Stunden vergingen bis das Grundgerüst für die Küche stand. Die Fronten, Schubfächer, Türgriffe und auch die Spüle sind von Ikea und somit nicht selfmade. Auch die Küchenplatte ist von Ikea und hätte eigentlich nur um ein Stück gekürzt werden müssen und es musste mit der Stichsäge ein Loch für das Waschbecken gesägt werden. Als wir die Platte probeweise auf unsere Küche legten, stellten wir fest, dass die Platte Falschrum war. Konnte ja keiner ahnen, dass die beiden Seiten unterschiedlich waren. Diese Art von Missgeschick bleibt beim Vanausbau leider nicht aus und wir hatten keine andere Wahl als die Küchenplatte komplett abzuschleifen und mehrmals zu lasieren. Eine halbe Ewigkeit später stand unsere erste DIY-Küche im Van, wir konnten es kaum glauben.

 

Im Nachhinein mussten wir alle Türen nochmal nachstellen und die Winkel nachziehen aber wir sind mit dem Ergebnis doch sehr zufrieden. Wie auf den Bildern zu erkennen ist, haben wir im linken Bereich noch Gummibänder angebracht, um den Platz dahinter als Stauraum für Tassen oder ähnliche Dinge zu nutzen. Im Nachhinein stellte sich das als etwas unpraktisch raus und wir verstauen dort meist nur Handtücher oder Decken. Der Wasserhahn ist übrigens aus einem klassischen Rohrsystem* zusammengebaut. Näheres hierzu findet ihr bei der Wasserversorgung.

Mittlerweile sind wir schon wieder am Umplanen und werden die Küche in den nächsten Wochen nochmal etwas anpassen. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden.

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DIY BETT I HOCHSCHRANK

 Da man im Bett die meiste Zeit verbringt, wollten wir uns für dieses besonders viel Mühe geben. Durch eine Breite von knapp 175 cm im Van und jeweils zusätzlichen 5 cm pro Fensterrahmen haben wir eine Liegefläche von 185 cm. Da Patrick nur 176 cm groß ist, war es uns tatsächlich möglich das Bett quer einzubauen. Dadurch haben wir um einiges mehr Platz im "Wohnbereich".

 

Nachdem alles ausgemessen war, ging es wieder zum Baumarkt um Holz zu besorgen. Für alle tragenden Elemente verbauten wir Fichtenholz (44 x 44 mm), für den restlichen Rahmen einfache Latten (18 x 35 mm). Da wir unter dem Bett nicht allzu viel verstauen müssen, entschieden wir uns für eine Betthöhe von 60 cm. Einen Nachteil hat die Höhe allerdings, wir können leider keine Fahrräder unter dem Bett verstauen.

 

Durch den Bau unserer Küche hatten wir bereits Übung und so stand das Grundgerüst für das Bett in Rekordzeit. Um im vorderen Bereich noch etwas zusätzlichen Stauraum zu erhalten, bauten wir zwei Schubladen ein und verwendeten hierfür die selben Fronten wie in der Küche. Wir waren heilfroh als das ganze Gerüst im Camper war, nur wenige Millimeter mehr und wir hätten ein großes Problem gehabt. Wir dachten vorher nicht eine Sekunde darüber nach, ob wir das Bett als Ganzes in den Van bekommen. Manchmal muss man einfach Glück haben.

 

Blieb als letzter Schritt noch die Verkleidung. Hierfür verwendeten wir Barnwood Echtholzpaneele. Diese kamen unserer ersten Überlegung, hierfür Europaletten Hölzer zu verwenden, am Nächsten. Es hat einen riesigen Vorteil, es ist nämlich super leicht. Dafür ist es relativ teuer und leider sehr anfällig für Holzwürmer. Wir sortierten teilweise noch im Baumarkt einzelne Latten aus, mussten aber trotzdem zu Hause noch einige Bretter in die Tiefkühltruhe legen. Bei Frost oder extremer Hitze sterben die Würmer nämlich. Das Barnwood wurde direkt ans Bettgestell verschraubt und unser Roll-Lattenrost* gleich mit. Nachdem wir die Matratze* mit einem scharfen Küchenmesser auf Maß geschnitten hatten und auch diese ihren Platz im Bett gefunden hatte, stand einem Probeliegen nichts mehr im Weg. Kurze Zeit später war der Lattenrost allerdings wieder ab, da es bei jeder Bewegung gequietscht und geknackt hat. Zwischen Holzlatte und Lattenrost* klebten wir deshalb noch mehrere Schichten dickeres Klebeband und sind seit dem quasi quietschfrei.

Das kleine Schränkchen neben dem Bett verwendeten wir die ganze Zeit als Aufbewahrung für gewisse Lebensmittel, mittlerweile haben wir es aber schon wieder etwas umgebaut.

 

Im improvisieren waren wir mittlerweile richtig gut und bauten als nächstes noch einen Rahmen für das Fach über der Fahrerkabine. Dieses war ursprünglich nach vorne komplett offen und wir entschieden, an den Rahmen Fronten mit Kreidetafeloberfläche anzubringen. Um den Stauraum besser nutzen zu können, wollen wir das Fach für die Zukunft noch etwas unterteilen.

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FINISHING I DETAILS

Boden: Das Thema Boden hätten wir schon viel früher in Angriff nehmen müssen. Wir haben uns allerdings erst ziemlich am Ende darüber Gedanken gemacht, als bereits alle Möbel verbaut waren. Wir entschieden uns für einen PVC-Boden und mussten mit viel Aufwand alle Ecken und Kanten ausschneiden, um alles am Stück verlegen zu können. Auf unsere bestehende Bodenplatte klebten wir in gewissen Abständen ein spezielles doppelseitiges Klebeband und im nächsten Schritt wird der Boden einfach aufgeklebt. Besser ist es, den Boden schon vor dem Möbeleinbau zu verlegen. Man spart sich jede Menge Arbeit und muss nicht ganz so akkurat arbeiten.

Holzverkleidung: Wie bereits bei unserem DIY-Bett haben wir weitere Flächen wie Türen, Fensterrahmen oder Teile unseres Hochschranks mit den Barnwood Echtholzpaneelen aus dem Baumarkt verkleidet.

Gewürzregal: Das Regal ist aus einem Rohrsystem* zusammengebaut und die Ablage ist ein abgeschliffenes Brett einer Holz-Palette. Die Deckel der Gewürzgläser wurden mit Schrauben am Holz befestigt und lassen sich so problemlos rein- und rausdrehen.

 

Wasserhahn: Wie auch das Gewürzregal besteht unser Wasserhahn aus einem individuell zusammengesetzten Rohrsystem*. 

 

Fronten Hochschrank: Die Kreidetafeloberfläche von Ikea lässt sich mit Kreide Beschriften und jederzeit wieder Abwaschen. Die Türgriffe sind die Selben, die wir für die Küche verwendet haben.

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